Welche Standortfaktoren einen Einfluss auf den Umsatz Ihrer Arztpraxis haben – Schupp & Heiny

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Die Wahl des Standortes ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen, die Sie treffen müssen – denn nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen Konkurrenz unter Ärzten hat sie direkten Einfluss auf Ihren Gewinn. Der Standort entscheidet darüber, welche Patientengruppen Sie erreichen können, wie viele Patienten überhaupt realistisch sind und wie sich Ihre Praxis in der langen Frist entwickeln wird.Das ist für Sie natürlich vor allem dann relevant, wenn Sie eine Praxis neu gründen oder übernehmen wollen. Auf welche Dinge Sie dabei ein besonderes Augenmerk legen sollten, möchte ich Ihnen in diesem Beitrag zeigen.

Der Standort – eine wichtige Entscheidung

Auch für alteingesessene Praxisinhaber hat dieses Thema eine hohe Bedeutung: Sei es, weil eine Kooperation (zum Beispiel in einer überörtlichen Gemeinschaftspraxis) angestrebt wird oder weil die Praxis in absehbarer Zeit an einen Nachfolger übergeben werden soll: Heutzutage fließt der Standort immer mehr in die Bewertung einer Praxis mit ein, welche maßgeblich für die Höhe des Kaufpreises ist.

Außerdem kann auch ein ehemals guter Standort mit der Zeit an Wert verlieren: Zum Beispiel dann, wenn ein Bahnhof verlegt worden ist, große und länger andauernde Bauprojekte den Zugang erschweren oder sich das Zentrum der Stadt verlagert. Daher schadet es nicht, von Zeit zu Zeit den Standort der eigenen Praxis zu hinterfragen.

Trotz der hohen Relevanz des Themas wird die Entscheidung für oder gegen einen Standort jedoch häufig emotional getroffen: Weil gerade Räumlichkeiten renoviert worden sind, ein Arzt zurück in eine Heimatstadt zieht, die Miete so günstig ist und so weiter und so fort.

Und natürlich darf das eigene Bauchgefühl bei der Standortwahl auch nicht außer Acht gelassen werden, schließlich sollten Sie sich letztendlich in der Praxis und mit Ihrer Entscheidung wohlfühlen. Dennoch gibt es einige objektivere Kriterien, die ebenfalls in die Entscheidung einfließen sollten.;

Die wichtigsten Standortfaktoren für eine Arztpraxis

Für Vertragsärzte gilt natürlich, anders als für Unternehmer, dass sie sich nicht vollkommen frei niederlassen können. Gerade in zulassungsbeschränkten Gebieten kann dies zu Problemen führen und muss unbedingt bei der Standortwahl berücksichtigt werden. Spezialisierte Fachärzte können dabei mit einem größeren Planungsbereich rechnen als allgemeine Hausärzte. Abgesehen davon sollten Sie jedoch folgende Punkte bedenken:

Konkurrenz- und Wettbewerbssituation

Die Konkurrenzsituation wird zum Teil schon durch die erteilten Zulassungen deutlich: In einem zulassungsgesperrten oder -beschränkten Gebiet wird es mehr Ärzte, ergo mehr Konkurrenz, als in einem freien Gebiet geben. Trotzdem liefert die Erteilung der Zulassung nur einen ersten Hinweis auf die Wettbewerbssituation, da Privatärzte und nichtmedizinische Leistungserbringer nicht berücksichtigt werden. In einer Gegend mit im Verhältnis gesehen vielen Privatärzten wird es Ihnen deutlich schwieriger fallen, Privatpatienten zu gewinnen. Denn auch als Vertragsarzt kann es für die Finanzkennzahlen der Praxis sinnvoll sein, eine gewisse Anzahl an Privatpatienten zu behandeln.

Außerdem müssen Sie, entsprechend Ihrer Fachrichtung, auch nichtmedizinische Leistungserbringer als Konkurrenten in Betracht ziehen, indem Sie die Situation durch die Augen Ihrer Patienten sehen: Könnte zum Beispiel ein Heilpraktiker oder ein Ernährungsberater eine Alternative für Ihre Patienten darstellen?

Aber auch aus einem anderen Grund sind Kollegen und nichtmedizinische Leistungserbringer relevant, nämlich für Kooperationen und weitere Behandlungen. Wenn Sie Ihren Patienten Medikamente verschreiben und diese eine Stunde zur nächsten Apotheke fahren müssen, ist das auch ein Minuspunkt für Sie. Gleiches gilt, wenn Sie zum Beispiel regelmäßig Überweisungen an einen Physiotherapeuten tätigen, aber keine Empfehlung für jemanden in der Nähe aussprechen können. Natürlich ist auch der umgekehrte Fall zu beachten, wenn Sie von einem anderen Arzt Überweisungen benötigen oder durch Empfehlungen Patienten dazugewinnen könnten. In einer Gegend mit verhältnismäßig vielen Ärzten ist möglicherweise auch die Versorgung mit anderen Anbietern, die zum Beispiel die Abfallentsorgung vornehmen, besser gewährleistet und Sie können einfacher günstigere Preise verhandeln.

Wenn Sie nach einer Konkurrenzanalyse feststellen sollten, dass Sie sich in einem Gebiet mit relativ großer Konkurrenz befinden, sollten Sie sich klar fragen, was Sie von den anderen Ärzten und Leistungserbringern unterscheidet. Bieten Sie vielleicht einen besonderen Service, wollen eine ganz andere Zielgruppe ansprechen, haben spezielle Öffnungszeiten, entsprechende Kooperationen oder die neuesten medizinischen Geräte? Wenn Sie sich nicht wesentlich von den schon angesiedelten Ärzten und nichtmedizinischen Leistungserbringern unterscheiden, sollten Sie von diesem Standort lieber absehen. Gerade kleinere Arztpraxen können sich in Ballungsgebieten mit vielen Ärzten, Krankenhäusern und Versorgungszentren häufig kaum durchsetzen.

Wichtig ist auch, dass Sie Ihr entwickeltes Unterscheidungsmerkmal entsprechend kommunizieren: Auf der Webseite, durch Flyer, Werbung und Ähnliches. Bedenken Sie aber, dass viele Unterscheidungsmerkmale (vor allem hinsichtlich des Service) von Ihren Konkurrenten kopiert werden könnten, sobald diese merken, dass Sie damit Patienten gewinnen.

Das zukünftige Einzugsgebiet der Arztpraxis

Ebenso sollten Sie aber natürlich auch die andere Seite betrachten, nämlich Ihre potentiellen Patienten. An erster Stelle steht die Frage, welche Zielgruppe Sie überhaupt ansprechen wollen. Das ergibt sich zum einen natürlich aus Ihrer Fachrichtung: Als Kinder- oder Frauenarzt haben Sie natürlich eine andere Zielgruppe als wenn Sie als Urologe tätig sind. Darüber hinaus können Sie sich aber fragen, ob Sie vermehrt Privatpatienten und Selbstzahler, kaufkräftige Patienten, ausländische Patienten, Jugendliche oder Rentner, Singles oder Paare ansprechen und behandeln wollen. Dabei kann es hilfreich sein, einen “idealen Patienten” genau zu charakterisieren – was aber natürlich nicht bedeutet, dass Sie alle anderen ausschließen.

Im zweiten Schritt gilt es dann zu überprüfen, ob sich Ihre bevorzugte Patientengruppe mit den Bewohnern Ihres Einzugsgebietes deckt. Dabei sollten zum Beispiel Alter und Kaufkraft Berücksichtigung finden. Richten Sie Ihren Blick auch in die Zukunft: Was ist die Prognose für die Bevölkerungsentwicklung in Ihrem Gebiet für die nächsten 20 Jahre?

Dieser Punkt hängt natürlich auch sehr eng mit der Infrastruktur zusammen.

Infrastruktur: Verkehrsanbindung und Passantenstrom

Die Infrastruktur ist vermutlich einer der wichtigsten Faktoren. Dabei muss sowohl die Infrastruktur in der Nähe der Praxis als auch die weitere Umgebung berücksichtigt werden.

In welcher Umgebung wird Ihre Praxis liegen? Was bietet das umliegende Stadtviertel an Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten sowie kulturellem Angebot und Freizeitmöglichkeiten?

Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sind zum Beispiel relevant, wenn Sie Ihre Mitarbeiter selbst ausbilden oder Absolventen berufsbildender Schulen einstellen möchten.

Auch wichtig zu betrachten ist die Umgebung in unmittelbarer Nähe: Ist die Praxis für die geplante Zielgruppe gut zu erreichen? Gibt es eine Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, Parkplätze oder die Nähe zu einer Autobahn und kommt es dabei häufig zu Stau? Das ist nicht für die Patienten, sondern auch für Sie und Ihre Mitarbeiter relevant, für welche Sie als Arbeitgeber auch gewissermaßen attraktiv sein müssen. Außerdem kann das dafür entscheidend sein, ob Ihre Patienten pünktlich erscheinen oder sich durch schlechte Verkehrsanbindung eher verspäten und Ihre Terminplanung durcheinander bringen.

Wie ist der Passantenstrom in der direkten Umgebung? Eine Praxis, an der täglich viele Menschen vorbeikommen, wird allein dadurch von sich bekannt machen – vor allem, wenn gut sichtbar Schilder mit einem ansprechenden und aussagekräftigen Logo angebracht worden sind. Der Passantenstrom wird zum Beispiel durch Freizeit- und Shoppingmöglichkeiten erhöht, aber auch durch Bahnhöfe oder große Parkplätze.

Sie planen Ihre Praxis vermutlich langfristig – deshalb muss der Standort auch langfristig betrachtet werden. Gibt es größere Bauprojekte in unmittelbarer Nähe in den nächsten Jahren? Wie würden diese sich auf den Passantenstrom auswirken? Informationen darüber können in der Regel im Rathaus der Stadt erfragt werden. Auch im größeren Umfeld muss die langfristige Planung betrachtet werden: Wenn Sie zum Beispiel Kinderarzt sind und in ein Neubaugebiet ziehen, welches nicht mehr erweitert wird, werden Sie in den nächsten 10 bis 15 Jahre recht viele Patienten haben. Sobald die Kinder aus diesem Wohngebiet jedoch älter geworden und ausgezogen sind und nur die dann älteren Leute dort wohnen bleiben, wird die Anzahl der möglichen Patienten sinken und eine Stagnation oder ein Rückgang des Umsatzes ist vorprogrammiert.

Mikrostruktur: Haus und Räumlichkeiten

Neben der Infrastruktur bezeichnet die Mikrostruktur die Beschaffenheit der Räume und des Hauses. Eine gepflegte Fassade mit ansprechendem und funktionalen Eingang wirkt zum Beispiel wesentlich einladender und vertrauenswürdiger als eine Praxis in einem heruntergekommenen Haus. Für Frauen- und Kinderärzte sowie für Ärzte mit vielen älteren oder behinderten Patienten wäre auch ein Treppenhaus ohne Aufzug denkbar ungeeignet. Behindertengerechte Eingänge und Räumlichkeiten sollten nach Möglichkeit gegeben sein.

Natürlich müssen die Praxisräume auch den erwarteten Patientenzahlen genügen, die Sie anhand des Einzugsgebietes und der Infrastruktur ungefähr berechnen können sollten. Zu kleine Räume erschweren die Behandlungen und sind auch für die Patienten unangenehm, vor allem im Wartezimmer. Zu große Räume können andererseits aber ein erheblicher Kostenpunkt sein.

Preise und Kosten

Je nach Stadt und Lage können Miet- und Immobilienpreise sowie die Lebenshaltungskosten stark differenzieren. Bei erhöhten Preisen ist eine Gründung oder Übernahme natürlich kostspieliger, andererseits kann das auch ein Indiz für die Wertigkeit der Region oder speziell des Standortes sein und einen Hinweis über die Kaufkraft der dort lebenden Bewohner liefern. Allerdings können viele Faktoren zu einer hohen Miete beitragen und Sie sollten grundsätzlich nur für solche bezahlen, die Ihnen auch etwas nutzen und letztendlich auch Umsatz generieren. Hinterfragen Sie deshalb immer, warum die Miete so hoch ist: Teure Stuckdecken bringen Ihnen vermutlich weniger als ein Aufzug.

Auch die Energiekosten sollten für Sie ein Thema sein, da besonders Arztpraxen einen sehr hohen Energiebedarf haben. Vergleichen Sie die Preise unterschiedlicher Anbieter der verschiedenen Standorten. Wie sich in einer Praxis der Energiebedarf senken lässt, können Sie hier erfahren.

Für Sie relevant sind natürlich auch die Personalkosten, jedoch sind diese eher weniger von der Region abhängig, wenn Sie sich nicht gerade auch nach Standorten im Ausland umsehen.

Interessant können aber auch verschiedene landes- oder stadtabhängige Subventionen sein.

Beachten Sie jedoch, dass die Analyse der Kosten vergangenheitsbezogen ist. Es ist daher nicht unbedingt ratsam, immer den Standort mit den niedrigsten Kosten auszuwählen: Ein Standort mit höheren Kosten kann trotzdem mehr Gewinn abwerfen als ein günstigerer Standort.

Fazit

In die Standortwahl Ihrer Arztpraxis fließen viele verschiedene Faktoren mit ein – von der Konkurrenzsituation über die Struktur der Bevölkerung bis hin zum Passantenstrom und den Mietpreisen. All diese Faktoren können erheblichen Einfluss auf Ihre Patientenzahlen und somit Ihren Gewinn nehmen und sollten daher ausreichend berücksichtigt werden. Wenn Sie mehrere Standorte miteinander vergleichen, sollten Sie am besten eine Tabelle einlegen, um die einzelnen Punkte in Ihrer Entscheidung berücksichtigen zu können.

Haben Sie noch Fragen zu einzelnen Standortfaktoren oder zu der Gründung einer Praxis? Hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar oder benutzen Sie unser Kontaktformular.