Müssen Sie als Arzt ein Gewerbe anmelden?

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Es klingt zunächst etwas widersprüchlich – Arzt und Gewerbe in einem Atemzug zu nennen. Doch wie definiert sich ein Gewerbe? Und gehört der Beruf eines niedergelassenen Mediziners auch dazu? Ich möchte Ihnen hier erklären, wie Arzt und Gewerbe zusammenhängen und was Sie beachten müssen, wenn es um gewerbliche Nebeneinkünfte geht.

Was ist ein Gewerbe?

Das Land Berlin definiert den Begriff wie folgt: “Ein Gewerbe übt aus, wer eine auf Gewinnerzielung gerichtete, auf Dauer angelegte, nicht generell verbotene, selbständige Tätigkeit ausübt. Ein Gewerbe kann haupt- oder nebenberuflich ausgeübt werden.” Es gelten dann die Bestimmungen der Gewerbeordnung, die detailliert auf alle Fragen zu einem Gewerbe eingeht.

Wann müssen Ärzte ein Gewerbe anmelden?

Ärzte fallen jedoch nicht unter diesen Begriff. Sie müssen kein Gewerbe anmelden, da sie als Freiberufler nach Paragraf 18 des Einkommenssteuergesetztes gelten. Der Grund ist: Sie gehen einer kurativen Tätigkeit beziehungsweise einem Heil- oder pädagogischen Beruf nach. Dementsprechend zahlen sie auch keine Gewerbesteuer.

Sie müssen sich lediglich bei Ihrem zuständigen Finanzamt melden, um sich als Freiberufler prüfen und einschreiben zu lassen. Denn nur das Finanzamt kann im Übrigen die Einstufung als Freiberufler vornehmen. An welche Institutionen Sie sich bei einer Praxisgründung noch wenden müssen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Ist dies erfolgt, erhalten sie eine Wirtschaftsidentifikationsnummer für sämtliche Transaktionen mit dem Finanzamt. Selbstverständlich müssen Ärzte ihre Einnahmen am Jahresende auch versteuern.

Ein wichtiger Unterschied zwischen einem Freiberufler und einem Gewerbetreibenden ist der, dass ersterer Dienstleistungen anbietet, während der zweite im Bereich Handel und Produktion angesiedelt ist.

Allerdings kann ein Arzt sehr wohl auch ein Gewerbe anmelden müssen.

Dann nämlich, wenn er sich zusätzliche Einnahmequellen verschafft, wie zum Beispiel durch Ernährungs- und Diätberatung, die er unter dem Namen einer anderen Firma anbietet. Dies hat die Rechtssprechung bestätigt

Wichtig zu wissen ist, dass Ihnen als Arzt in Ihrer Praxis die Ausübung von gewerblichen Tätigkeit nicht ausdrücklich untersagt ist, allerdings sollten Sie die Verquickung von wirtschaftlichen Interessen mit denen des Wohlergehens Ihrer Patienten vermeiden.

Dabei sollte man vor allem eine räumliche Trennung von Arztpraxis und Gewerberäumen im Blick haben, sowie die Einrichtungen auch personell und zeitlich voneinander abzugrenzen.

Wie und wo können Ärzte ein Gewerbe anmelden?

Wenn Sie also zusätzliche Leistungen anbieten möchten, die über Ihren Beruf als Arzt hinausgehen, sollten Sie sich mit Ihrer Gewerbebehörde in Verbindung setzen. Die Behörde für eine Gewerbeanmeldung ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Oft sind es die Gewerbe- und Ordnungsämter der Kommunen, wenn zum Beispiel Wohnsitz und Betriebsstätte am gleichen Ort sind.

Einfacher geht das über das Internet. Halten Sie dafür allerdings alle wichtigen Unterlagen bereit, die Ihr Gewerbe betreffen wie gewünschte Rechtsform oder auch Ihre Berufsbezeichnung. Es kann zudem vorkommen, dass eine Gewerbeerlaubnis vorgelegt werden muss.

Eine Anmeldung ist immer mit Kosten verbunden, die jedoch unter 100 Euro liegen. Übrigens ist es für die Registrierung unerheblich, ob ein Gewerbe im Neben- oder Haupterwerb angemeldet wird.

Was bedeutet es für einen Arzt, ein Gewerbe angemeldet zu haben?

Sind Sie Freiberufler und Gewerbetreibender gleichzeitig, so müssen Sie zwingend zwei voneinander getrennte Buchführung vornehmen, da Ihre Einkünfte steuerlich unterschiedlich behandelt werden. Näheres dazu erfahren Sie hier.

Fazit

Arbeiten Sie als niedergelassener Arzt ausschließlich in Ihrem Beruf, müssen Sie kein Gewerbe anmelden. Sie gelten als freiberuflich tätig. Ihr zuständiges Finanzamt berät Sie bei der Einstufung.

Möchten Sie weitere Einnahmequellen generieren, ist es ratsam, Sie sich beim Gewerbe- und Ordnungsamt Ihrer Kommune über die Richtlinien zu einer Gewebeanmeldung informieren. Das zusätzliche Gewerbe sollte räumlich, zeitlich und personell von der Praxis getrennt sein.

Benötigen Sie Hilfe bei Ihrer Einstufung als Freiberufler oder planen Sie ein Gewerbe im Nebenerwerb? Kontaktieren Sie mich gern!