Unter die Lupe genommen: das Honorar eines Steuerberaters – Schupp & Heiny

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Es ist ein hartnäckiges Klischee: Ein Steuerberater fordert ein üppiges Honorar, aber viel bringt er mir nicht. Mit diesem Beitrag möchte ich ein wenig Aufklärungsarbeit leisten und ehrlich offen legen, wie sich das Entgelt eines Steuerberaters berechnet. Zudem geht es darum, was Sie von seiner Arbeit erwarten können, also wie viel Steuerrückzahlung möglich ist.

Die Grundlage des Honorars

Der Steuerberater ist in der Regel ein Freiberufler, der im engeren Sinne oder weiteren Sinne tätig werden kann. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass er angestellt ist, zum Beispiel in einer Steuerberatergesellschaft. In diesem Fall würde er ein Angestelltengehalt laut seinem individuellem Vertrag beziehen.

Das Steuerberatungsgesetz regelt in §33, was unter engerem Sinne zu verstehen ist: “Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Steuerberatungsgesellschaften haben die Aufgabe, im Rahmen ihres Auftrags ihre Auftraggeber in Steuersachen zu beraten, sie zu vertreten und ihnen bei der Bearbeitung ihrer Steuerangelegenheiten und bei der Erfüllung ihrer steuerlichen Pflichten Hilfe zu leisten. (…) ”.

Im weiteren Sinne kann der Steuerberater als Zwangsverwalter, Vormund, Nachlasspfleger u.a. fungieren.

Seine Gebühren sind in der Steuerberatervergütungsverordnung (StVV) geregelt.

Wie berechnet sich das Honorar eines Steuerberaters?

Mehrere 10.000 Steuerberater bieten in ganz Deutschland ihre Dienste an. Doch da die StVV einen großen Ermessensspielraum für den Berater erlaubt, sind die Gehälter recht heterogen.

Das Honorar richtet sich nach Zeitaufwand, Schwierigkeit und Höhe des Einkommens des Klienten. Meist erfolgt die Abrechnung nach dem Wert (Höhe der steuerrelevanten Summe).

Ein Steuerberater darf den Mindestsatz der Vergütungsverordnung nicht unterschreiten und beispielsweise kostenlos tätig werden.

Innerhalb der vorgegebenen Bandbreite steht ihm aber ein erheblicher Spielraum zu, der mit einem Faktor ausgedrückt wird. Dieser kann höher sein, wenn der Aufwand größer ist: Zum Beispiel, weil die Unterlagen ungeordnet sind oder besonders viele Dokumente eingereicht werden. Ordnung hilft Ihnen hier also, Gebühren zu sparen.

Ohne Ihr schriftliches Einverständnis darf der Steuerberater wiederum nicht den Gebührenrahmen verlassen und mehr verlangen. Im Regelfall wird die so genannte Mittelgebühr zugrunde gelegt. Setzt Ihr Berater mehr an, muss er dies begründen.

Zudem hat ein Steuerberater Anspruch darauf, seine Telefonkosten und Portogebühren von Ihnen zurück zu verlangen. Wiederum können Sie die Kosten für Ihren Steuerberater absetzen. Und Sie können die Rechnung Ihres Steuerberaters auch selbst überprüfen.

Um Missverständnisse zu vermeiden, empfiehlt sich im Vorfeld eine Preisabsprache mit dem Steuerberater. Die Konkurrenz ist groß: Jeder Berater sollte also guten Service und eine faire Leistung bieten, um die Klienten zufrieden zu stellen.

Beispiele anhand der Gebührenordnung

Der Steuerberater hat bei den Gebühren für die Einkommensteuererklärung, die Arbeitnehmer betrifft, einen geringeren Spielraum als bei einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung, die für einen Selbstständigen, beispielsweise eine Arzt, erstellt werden muss.

Ausgangspunkt für das Honorar des Steuerberaters ist der Gegenstandswert, d.h., die Summe aller positiven Einkünfte. Zur Berechnung werden meist die Gebührentabellen herangezogen, aus der sich der Betrag für die erbrachte Leistung ersehen lässt. Nur in Ausnahmefällen – wie einer Bezahlung nach Stunden – braucht man die Tabellen nicht.

Folgende Tabellen stehen zur Abrechnung zur Verfügung:

  • Gebührentabelle A: für Leistungen im Bereich der Beratung; Steuererklärungen und steuerliche Anträge werden danach berechnet
  • Gebührentabelle B: für Leistungen im Bereich Buchführung der Einnahmen-Überschuss-Rechnung, Bilanzen und Vermietung/Verpachtung
  • Gebührentabelle C: Abschlussarbeiten für Handelsbilanzen und Steuerbilanzen
  • Gebührentabelle D: Landwirtschaftliche Buchführungstabelle
  • Gebührentabelle E: Rechtsbehelfstabelle bei Einsprüchen gegen Steuerbescheide

Geht es nun zum Beispiel um eine Einkommenssteuerklärung über Einkünfte von 30.000 Euro wird dies mit Tabelle A berechnet. Die Bandbreite des Faktors reicht von 1/10 bis 6/10, was einem mittleren Faktor von 0,35 entspricht.

Laut Gebührenordnung beträgt die volle Gebühr für diese Leistung 769 Euro, jedoch wird nun mit dem Faktor multipliziert (möglich sind demnach zwischen 79,60 und 477,60 Euro). Die Mittelgebühr mit dem Faktor 3,5 beträgt 278,60 Euro.

Sind Sie selbstständig und beauftragen Ihren Steuerberater mit Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung, wird dieser mit Tabelle B arbeiten.

Liegt Ihr Gegenstandswert (Betriebseinnahmen) bei exemplarischen 49.500 Euro, gilt die volle Gebühr von 210 Euro. Wenn Ihr Berater mit dem Faktor 15/10 multipliziert, kommen Sie auf eine Gebühr von 315 Euro.

Lohnt sich ein Steuerberater für mich?

Ja, in der Regel ist es sinnvoll, einen Steuerberater zu involvieren. Als selbstständiger Arzt mit eigener Praxis kommen Sie beispielsweise an einem guten Berater nicht vorbei, der Ihnen Unterstützung bei der Einhaltung von Terminen, dem korrekten Einreichen von Belegen und dem Beachten aller Abschreibemöglichkeiten gibt.

Auch angestellte Mediziner sollten Ihre Steuererklärung in fachkundige Hände legen, denn neun von zehn Steuerzahlern bekommen Geld vom Finanzamt zurück, im Schnitt sogar über 800 Euro. Ihr Steuerberater ist immer auf dem neuesten Stand, was lukrative Sparmöglichkeiten angeht und kennt aktuelle Urteile zum Steuerrecht, die auch Ihnen nutzen können.

Die Deutschen schenken dem Fiskus im Jahr Millionen Euro, weil die Steuererklärung entweder gar nicht abgegeben wird oder man nicht alle Posten aufführt, die steuerlich absetzbar wären.

Jedes Jahr ergeben sich Neuerungen im “Steuerdschungel”, wie zum Beispiel der Anstieg von Freibeträgen.

Haben Sie immer alle Updates parat? Wissen Sie beispielweise, dass Sie als selbstständiger Arzt auch ein Homeoffice und gegebenenfalls dessen Sanierung von der Steuer absetzen können?

Fazit

Ein heikles Thema, dazu noch mit einem komplizierten Berechnungssystem, aber längst kein Buch mit sieben Siegeln – das Honorar eines Steuerberaters kann und sollte transparent dargestellt werden. Ihr Steuerberater darf einen Mindestsatz nicht unterschreiten, braucht aber für außergewöhnliche hohe Gebühren eine Begründung oder gar Ihr schriftliches Einverständnis.

Eine Rolle für die Berechnung Honorars spielen Zeitaufwand, Gegenstandswert und auch die Ordnung in Ihren Dokumenten. Als niedergelassener Arzt ist ein vertrauensvoller Steuerberater für Sie unumgänglich, doch auch als angestellter Mediziner lohnt es sich, seine Steuerunterlagen dem Experten zu übertragen. Im Durchschnitt gibt es in Deutschland nämlich über 800 Euro pro Jahr für den Steuerzahler zurück.

Sie kennen sicher den Spruch von Henry Ford: Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann ebenso die Uhr anhalten, um Zeit zu sparen. Genauso ist das mit Ihrem Steuerberater – sparen Sie nicht am falschen Ende. Er kostet Sie Geld, holt aber durch sein Fachwissen auch ordentlich was für Sie raus.