Arztpraxis eröffnen – diese Dokumente müssen Sie bereithalten

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Sie wollen als Arzt selbstständig werden und eine eigene Praxis eröffnen? Neben den vielen wichtigen strategischen Fragen, wie zum Beispiel nach der Standortwahl oder der richtigen Praxisform, muss dabei auch Einiges an “Papierkram” erledigt werden. Mit diesem Beitrag möchte ich Ihnen helfen, den Überblick zu bewahren und die richtigen Dokumente zur richtigen Zeit parat zu haben.

Egal, ob Sie sich für eine Übernahme oder eine Neugründung entscheiden – in den meisten Fällen gilt:

Beginnen Sie bestmöglich immer ein Jahr im Voraus mit Ihrer Planung!

Dabei gibt es folgende Themen, die für die Planung wichtig werden:

1. Für die richtige Praxisform entscheiden

Ganz zu Anfang steht natürlich die Frage, ob Sie eine Praxis neu gründen oder übernehmen wollen oder sogar eine Form des Jobsharings in Frage kommt. Nicht zuletzt hängt diese Entscheidung auch von der Frage nach der Zulassungsfreiheit Ihres gewünschten Gebietes ab.

Auch das Thema Einzel- oder Gemeinschaftspraxis wird an dieser Stelle relevant. Die verschiedenen Vor- und Nachteile habe ich in anderen Beiträgen ausführlich erläutert. Vielleicht ist diese Frage für Sie auch schon längst entschieden, und Sie können zum nächsten Thema übergehen.

Besuchen Sie frühzeitig Seminare und Praxisgründungsveranstaltungen. Diese werden in der Regel von Ihrer kassenärztlichen Vereinigung angeboten.

2. Konzept und Zusatzqualifikationen

Besonders, wenn Sie eine Praxis in einem konkurrenzstarken Gebiet eröffnen wollen, sollten Sie nicht vergessen, ein detailliertes Konzept der Praxis auszuarbeiten – und zwar mit dem Fokus auf den Bedürfnissen der Patienten.

Zusatzausbildungen und -qualifikationen, die Sie anstreben um ein breiteres Leistungsspektrum abzudecken, sollten Sie schon als angestellter Arzt erwerben. Erfahrungsgemäß bleibt während der stressigen Anfangsphase bei der Neugründung oder Übernahme einer Praxis wenig Zeit dafür. Zusatzausbildungen sind wichtig, um ein Alleinstellungsmerkmal für Ihre Praxis zu generieren und ein stimmiges Konzept zu kreieren.

3. Private Planung berücksichtigen

Auch vernachlässigen viele Ärzte und Ärztinnen Ihre familiäre Zukunftsplanung bei der Planung der Praxis. Zu Beginn sind die laufenden Kosten sowie die Investitionskosten häufig hoch, die Einnahmen lassen – gerade bei einer Neugründung – aber auf sich warten. Möglicherweise entstehen dann Liquiditätsprobleme.

Das erste Jahr der Gründung ist daher sowohl vom Finanziellen als auch von der Arbeitsbelastung her nicht unbedingt ideal für eine Familiengründung.

4. Anträge stellen und Dokumente bereithalten

Dass Sie Ihre Approbation bereits erhalten haben, ist vermutlich selbstverständlich.

Anschließend müssen Sie eine Eintragung ins Arztregister vornehmen lassen. Dafür benötigen Sie:

  • Ihre Approbation
  • Ihre Geburtsurkunde
  • einen Nachweis über ihre bisherige ärztliche Tätigkeit (zum Beispiel in einem Krankenhaus).

Wenn Sie Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung behandeln wollen, benötigen Sie außerdem eine Zulassung. Ohne Zulassung können Privatpatienten und Selbstzahler behandelt werden.

Um die Zulassung zu erhalten, müssen Sie beim Zulassungsausschuss einen schriftlichen Antrag stellen. Die Voraussetzung für eine Zulassung ist die Approbation, eine erfoglreich abgeschlossene Weiterbildung in einem Fachgebiet (Facharzt), die Eintragung im Arztregister sowie eine generelle Eignung zur vertragsärztlichen Tätigkeit. Diese ist zum Beispiel nicht gegeben, wenn eine Alkoholsucht vorliegt.

Für den Zulassungsantrag benötigen Sie folgende Dokumente:

  • ein formloses Schreiben mit dem Ort Ihres Vertragsarztsitzes und der Arztbezeichnung
  • ein Auszug aus dem Arztregister
  • eine Bescheinigung über die seit der Approbation ausgeübten ärztlichen Tätigkeiten
  • die Facharzturkunde, bei einem Zahnarzt die Approbation
  • einen Lebenslauf
  • das polizeiliche Führungszeugnis
  • Erklärung über die zum Zeitpunkt des Antrages bestehenden Beschäftigungsverhältnisse
  • Erklärung ob innerhalb der letzten 5 Jahre eine Alkohol- oder Drogensucht bestand

Wenn Sie eine Praxis neu gründen und die erforderlichen Räumlichkeiten anmieten wollen, achten Sie bei der Standortwahl vor allem auf eine gute Erreichbarkeit.

Der Mietvertrag sollte eine Ausstiegsklausel bei andauernder Berufsunfähigkeit enthalten. Im Idealfall existiert auch ein einseitiges Optionsrecht auf Verlängerung für Sie.

Wenn Sie all diese Fragen geklärt haben und Sie den Betrieb Ihrer Praxis bald aufnehmen wollen, sich vielleicht bereits um Personal gekümmert haben, müssen noch folgende Institutionen informiert werden:

Die Ärztekammer muss in einem schriftlichen Brief über die Praxisgründung in Kenntnis gesetzt werden. Dem Brief müssen Sie beifügen:

  • die Adresse der Praxis
  • den geplanten Tag der Eröffnung
  • die Gebietsbezeichnung der eigenen ärztlichen Tätigkeit
  • die geplanten Sprechstundenzeiten
  • die Approbationsurkunde
  • die Wohnsitzbescheinigung
  • die Zulassung als Vertragsarzt

Außerdem muss die Praxisgründung dem Gesundheitsamt mitgeteilt werden. Hierzu reicht ein formloses Schreiben mit einer Kopie des Briefes an die Ärztekammer.

Der TÜV muss ein eventuelles Röntgengerät abnehmen.

Bei der gesetzlichen Krankversicherung muss das Personal angemeldet werden.

Bei der Berufsgenossenschaft müssen HelferInnen angemeldet werden.

Ihr Steuerberater muss den Beginn der selbstständigen Tätigkeit dem Finanzamt mitteilen.

Fazit

Wenn Sie alle diese Fragen geklärt und mit den genannten Institutionen in Kontakt getreten sind, steht der erfolgreichen Eröffnung Ihrer Praxis nichts mehr im Wege.

Bei Fragen rund um steuerliche und finanziellen Themen bin ich gerne ein Ansprechpartner für Sie.