Abrechnung in der Praxis: All das beeinflusst Ihr Arzthonorar

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Es scheint ein ewiges Missverständnis zu sein: Die niedergelassenen Ärzte sind frustriert, weil ihr Honorar ihnen zu gering erscheint; die Kassen schimpfen ob der Gier der Mediziner.

Was stimmt denn eigentlich? Wie wirkt sich vor allem das Verhältnis von Kassen- und Privatpatienten für die Praxis aus? Ich möchte Ihnen heute einen Einblick in die gar nicht so einfache Abrechnungswelt für Ärzte gewähren.

Der Weg zum Honorar für einen Praxisinhaber ist kompliziert, weil so viele Akteure im Spiel sind: Der Versicherte zahlt an seine Krankenkasse, diese wiederum einen Beitrag an ihre zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV), welche dann mit den Ärzten abrechnet.

Kassenpatient und Privatpatient – die Abrechnungsunterschiede

Zunächst ist im Grundsatz zwischen einer Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) und den Privatleistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zu unterscheiden. Auch eine Arztpraxis untersteht dem wirtschaftlichen Gebot – schließlich ist dies Ihre berufliche Basis und Zukunft.

Abrechnung des Arztes bei Privatpatienten

Leistungen für Privatpatienten und private Leistungen für Kassenpatienten werden als Einzelleistung mit dem Patienten abgerechnet. Ausgangspunkt ist die GOÄ, jedoch darf der Arzt den bis zu 2,3fach höheren Satz verlangen (bei technischen Leistungen bis zu 1,7fach).

Viele Ärzte beachten dabei freiwillig die Höhe der möglichen Rückerstattung für den Patienten und beschränken sich dann bei Abrechnung auf diesen Satz. Jedoch ist das keine Pflicht, sondern ein Entgegenkommen.

Abrechnung des Arztes bei Kassenpatienten

Der EBM bei Kassenpatienten erfasst erstens die Leistungen, die überhaupt für die Behandlung vom Arzt angerechnet werden können. Zweitens wird damit geregelt, welche Leistungen von den jeweiligen Fachgruppen abgerechnet werden können. Ein wichtiger Unterschied zu Privaten: Beim EBM geht es meist um Pauschalen und nicht Einzelleistungen.

Zusätzlich gibt es mit den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen Vereinbarungen über die Vergütung von Leistungen, die nicht im EBM enthalten sind.

Der überwiegende Teil der Leistungen unterliegt einer quartalsweisen Budgetierung, auch Regelleistungsvolumen oder Individualbudgets genannt, die einer Praxis von der KV zugewiesen werden. Die meisten Aufwendungen des Arztes (Ausnahmen sind zum Beispiel Laborleistungen) im EBM sind mit Punkten versehen, die den Wert der erbrachten Behandlungen ins Verhältnis setzen sollen.

Für jede Praxis kann somit individuell ihr Punktevolumen ermittelt werden, was der Maßstab zur Abrechnung mit der KV ist. Erbringt der Mediziner mehr Leistungen, indem er beispielsweise zusätzliche Patienten behandelt, werden diese Leistungen nur anteilig vergütet. Der Arzt hat dementsprechend Honorareinbußen.

Eine Beispielrechnung: Ein Arzt darf 2000 Punkte abrechnen, die mit jeweils 0,50 Euro angesetzt werde. Das bedeutet 1.000 Euro. Wenn er jedoch mehr arbeitet und weitere 1000 Punkte generiert, darf er trotzdem nur 2000 abrechnen. Der einzelne Punktwert sinkt also.

Auch wenn ein direkter Vergleich zwischen der Abrechnung von Privatpatienten und Kassenpatienten nicht möglich ist, wird es offensichtlich, dass die Privaten für einen wirtschaftlichen Ausgleich in der Praxis von großer Bedeutung sind. Deshalb ist das Verhältnis von Einnahmen von privat und gesetzlich versicherten Patienten auch eine wichtige Finanzkennzahl für Ihre Arztpraxis. Als Arzt wollen Sie auf Dauer nicht defizitär arbeiten.

Das sollten Sie bei der Abrechnung beachten

Jeder Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse ist mit der elektronischen Gesundheitskarte ausgerüstet, die er dem Arzt oder Zahnarzt beim Besuch vorlegen muss.

Seit dem 1. Januar 2015 ist übrigens nur noch diese Karte mit Foto gestattet. Der Privatpatient gibt in der Regel an, über welche Kasse er versichert ist und wie abgerechnet werden kann.

Wichtig für Sie als Arzt ist die gewissenhafte Dokumentation aller erbrachten Leistungen, spätestens am Ende des Tages. Dies ist die Grundlage Ihrer Abrechnung – sei es nun mit der KV oder mit dem Privatversicherten über die GOÄ.

Eine sinnvolle Software ist dazu dringend notwendig, auf die Sie auch als junger Berufsstarter nicht verzichten dürfen. Private Versicherungsstellen unterstützen Sie gern bei der Privatabrechnung und bieten häufig einen Vorschuss dafür an – interessant vor allem für Existenzgründer, um Sicherheit und schnelleren Zahlungsfluss zu bekommen.

Weil Privatpatienten Ihnen einen guten Teil Ihres Einkommens ermöglichen, sollten Sie Missverständnisse mit Ihnen vermeiden. Dazu gehört unter anderem eine umfassende Aufklärung über die sie erwartenden Kosten. Müssen Sie Leistungen an einen Fachkollegen delegieren, zum Beispiel ein Labor, sollte der Patient unbedingt im Vorfeld darauf hingewiesen werden, sonst kann die Zahlung verweigert werden.

Beachten Sie bitte, dass jeder Patient das Recht auf die Einsicht über die abgerechnete Behandlung besitzt. Wer gesetzlich krankenversichert ist, darf eine Patientenquittung anfordern, die Privatpatienten erkennen auf der Rechnung, welche Leistungen angewendet wurden. Die Dokumentation muss also korrekt sein.

Sie können ein gutes Stück Rechtssicherheit erlangen, indem Sie Ihren Patienten Behandlungsverträge anbieten. In diesen werden die Bedingungen erläutert, mit denen die Leistungen abgerechnet werden.

Das soll vor allem dem Nachweis dienen, keine überhöhten Kosten in Rechnung zu stellen. Seit Februar 2013 müssen Patienten laut Patientenrechtegesetz wirtschaftlich über das Wirken der Mediziner aufgeklärt werden.

Versteckte Potentiale – Besonderheiten bei der Abrechnung

Berufsausübungsgemeinschaften

Unter Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) sind Praxen mit angestellten Ärzten, Gemeinschaftspraxen und medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu verstehen.

Für diese existiert eine besondere Förderung: 10% Aufschlag gibt es für arztgruppen- und schwerpunktgleiche (Teil-) BAG oder Arztpraxen mit angestellten Ärzten derselben Arztgruppe/desselben Schwerpunktes, bei Haus- und Kinderärzten sogar 22,5% (bezogen auf die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen nach dem EBM).

Zum anderen werden unter bestimmten Voraussetzungen die Regelleistungsvolumina um einen prozentualen Zuschlag erhöht. Hierbei spielt es eine Rolle, ob die BAG nur einem einem Standort oder standortübergreifend tätig sind. Auch der Kooperationsgrad dieser Gemeinschaften ist zu berücksichtigen. So sind bis zu 40% Zuschlag zu erreichen.

Behandlungen ohne abrechnbare Gebührenordnungsziffern

Nicht alle ärztlichen Leistungen sind in der GOÄ als abrechenbare Gebührenordnungsziffern aufgeführt; denn das medizinische Wissen wächst so schnell, dass viele heutige diagnostische und therapeutische Methoden nicht gleich erfasst werden können.

Abhilfe schafft der § 6 der GOÄ, Absatz 2: „Selbstständige ärztliche Leistungen, die in das Gebührenverzeichnis nicht aufgenommen sind, können entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses berechnet werden“. Diese analoge Ziffer ziehen Sie dann für die Abrechnung zu Rate.

Umfangreiche Beratung

Für Privatversicherte gilt: Der Arzt kann je nach Beratungsumfang des Patienten die Nummer 1 oder 3 der GOÄ abrechnen. Nummer 3 wird höher bewertet und setzt eine eingehende Beratung mit einer Mindestdauer von zehn Minuten voraus. Beachten Sie, dass eine Begründung erforderlich ist, wenn Sie als Arzt die Nummer 3 mehrmals in einem Behandlungsfall abrechnen wollen.

Beobachtungen beim Hausbesuch

Müssen Sie Patienten während der Behandlung beobachten, kann das nicht immer in der Praxis erfolgen. Hausbesuche sind dann nötig, um zu wissen, ob die Therapie anschlägt.

Dies kann zum Beispiel beim Injizieren von Medikamenten nach akuten Koliken der Fall sein. Für diese Fälle der Patientenbeobachtung gibt es die Abrechnungsposition 56 der GOÄ, eine Aufwandsentschädigung für eine Zeit, in der sonst keine ärztlichen Leistungen erbracht werden.

Dafür muss die Mindestbehandlungszeit 30 Minuten betragen, die Beobachtung gerade nicht durch ärztliche Leistungen unterbrochen werden und diese Beobachtung medizinisch erforderlich sein.

Fazit

Die Abrechnung in der Arztpraxis ist in der Tat nicht einfach “mit links” zu erledigen. Sie müssen sich mit der Kassenärztlichen Vereinigung auseinandersetzen, die Ansprechpartner für Ihre Kassenpatienten ist und Ihnen Ihr Honorarbudget zuweist. Der Einheitliche Bewertungsmaßstab ist wiederum die Grundlage dafür, mit dem Budget auch auszukommen. Gelingt Ihnen das nicht, haben Sie Honorareinbußen zu befürchten.

Privatversicherte werden nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet. Auch privat gewünschte Leistungen der Kassenpatienten laufen darüber. Diese Gebührenordnung enthält einige Positionen, die Sie nutzen können, um die optimale Abrechnung zu erzielen und versteckte Potentiale für Ihre Praxis herauszuholen.

Wichtig ist die korrekte, lückenlose Dokumentation aller von Ihnen erbrachten Leistungen, um Ihnen Rechtssicherheit zu geben. Diese erreichen Sie mit Behandlungsverträgen.

Was haben Sie für Erfahrungen mit den verschiedenen Abrechnungen gemacht? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!